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Sicherheitsfahrschaltung (Sifa)



Allgemein  [1]

  • Sifa steht für "Sicherheitsfahrschaltung".
  • Die Sifa ist ein System zur Vermeidung von Betriebsgefahren (bspw. führerlose Züge, dienstunfähiger Triebfahrzeugführer), geregelt durch DIN VDE 0119-207-5. Das System ist nach UIC Richtlinie 641 V auf allen Fahrzeugen einzusetzen, die mit nur einem Triebfahrzeugführer im Fahrbetrieb besetzt sind.
  • Sie überwacht unabhängig von ortsfesten Einrichtungen in regelmäßigen Abständen die Handlungsfähigkeit des Triebfahrzeugführers während der Fahrt.
  • Bei ausbleibender oder nicht ordnungsgemäßer Bedienung wird nach vorhergehender optischer und akustischer Aufforderung systemseitig eine ►Sifa-Zwangsbremsung ausgelöst, die den Zug automatisch zum anhalten bringt.



Bedienung der Sifa während der Fahrt

Die Sifa lässt sich je nach Triebfahrzeug oder Steuerwagen mithilfe verschiedene Bedienttaster durch Fuß oder Hand bedienen (siehe ►Sifa bedienen).


Sifa-Taster im Fußraum des Führerpultes in einem Eletrotriebwagen der Baureihe 430.



Aufforderung zur Bedienung der Sifa während der Fahrt

Wird die Sifa

  • während der Fahrt nicht mehr bedient, oder 
  • nach 20 bis 30 Sekunden durch kurzes Loslassen und erneutes Drücken nicht mehr betätigt,

so setzt fahrzeugseitig

  • zuerst eine optische Aufforderung durch den Leuchtmelder (leuchtet auf) und
  • anschließend eine akustische Aufforderung durch einen Summer/eine Sprachausgabe mit dem Wortlaut "Sifa, Sifa" ein.



Funktionsfähigkeit der Sifa prüfen

Die Funktionsfähigkeit der Sifa ist gemäß Ril 492 Modul 0001 Abschn. 3 Abs. 10 durch den Triebfahrzeugführer zu prüfen (siehe ►Sifa prüfen).



Elektromechanische Sifa


■  "Zeit-Weg-Sifa"  [1]

  • In älteren Fahrzeugen verbaut; wurde in den ersten Serien der Nachkriegs-Neubaulokomotiven eingesetzt
  • Zeitabhängige Überwachung erfolgt durch ein elektronisches Zeitrelais
  • Wegabhängige Überwachung erfolgt durch ein von der Achse angetriebenes mechanisches Bauteil (Antriebsschnecke)



  • Wird die Sifa durch den Triebfahrzeugführer in regelmäßigen Abständen korrekt bedient und somit das Ablaufintervall neugestartet, erfolgt keine fahrzeugseitige Beeinflussung.
  • Bleibt während der Fahrt jedoch eine korrekte Bedienung der Sifa aus, so erhält der Triebfahrzeugführer


nach 30 Sekunden

ein optisches Signal (Leuchtmelder leuchtet auf); unterbleibt auch hier die Bedienung, wird


nach 75 Metern

ein akustisches Signal (Hupe ertönt) abgegeben; unterbleibt weiterhin die Bedienung, setzt


nach weiteren 75 Metern

eine Zwangsbremsung ein.



Elektrische Sifa


■  "Zeit-Zeit-Sifa"  [1]

  • In neueren Fahrzeugen verbaut
  • Zeitabhängige Überwachung erfolgt durch zwei elektronische Zeitrelais
  • In Deutschland und Österreich gängigstes System



  • Wird die Sifa durch den Triebfahrzeugführer in regelmäßigen Abständen korrekt bedient und somit das Ablaufintervall neugestartet, erfolgt keine fahrzeugseitige Beeinflussung.
  • Bleibt während der Fahrt jedoch eine korrekte Bedienung der Sifa aus, so erhält der Triebfahrzeugführer


nach 30 Sekunden

ein optisches Signal (Leuchtmelder leuchtet auf); unterbleibt auch hier die Bedienung, wird


nach 2,5 Sekunden

ein akustisches Signal (Hupe ertönt) abgegeben; unterbleibt weiterhin die Bedienung, setzt


nach weiteren 2,5 Sekunden

eine Zwangsbremsung ein.



■  "Aufforderungs-Sifa"  [1]

  • Bei neueren Fahrzeugen verbaut
  • In dieser Ausführungen wird die Aufforderung zur Betätigung der Sifa durch einen Zufallsgenerator willkürlich bestimmt
  • Zusätzlich wird eine wegabhängige Steuerung zur Bestimmung der Anforderungsfrequenz eingesetzt, bei der eine geschwindigkeitsabhängige Verkürzung der Anforderungsabstände erfolgt; dies ist der Fall, wenn die Geschwindigkeit des Fahrzeugs den Bereich überschreitet, bei dem 800 m (entspricht etwa 57-72 km/h) oder 400 m (entspricht etwa 28-36 km/h) in weniger als 40 bis 50 Sekunden zurückgelegt werden


  • Die Aufforderungs-Sifa lässt eine wirksame Bedienung durch den Triebfahrzeugführer nur zu, wenn


nach 20 bis 30 Sekunden

eine Aufforderung, den Sifa-Taster zu drücken, durch ein optisches Signal (Leuchtmelder leuchtet auf) erfolgt; unterbleibt hier die Bedienung, wird


nach 4 Sekunden

eine weitere Aufforderung, durch ein akustisches Signal (Hupe ertönt), ausgelöst; unterbleibt auch hier die Bedienung, setzt


nach weiteren 2 Sekunden

eine Zwangsbremsung ein.



Literaturquelle:

[1]  DB-Fachbuch "Schienenfahrzeugtechnik", 2013, 3. Auflage, Seite 277-278