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Dunkelschaltung


Allgemein  [7]


Dunkelgeschaltendes Ks-Hauptsignal


Prinzipielle Funktionsweise einer Dunkelschaltung.


Beispiel: Das Hauptsignal ist zur Ausfahrt eines ICE auf die Schnellfahrstrecke dunkelgeschaltet, da der Auftrag LZB-Fahrt über Führerraumanzeigen an den Triebfahrzeugführer übermittelt wird. Es leuchtet nur der grüne Ring des Abfahrauftrags (Signal Zp 9). (Screenshot: youtube)


Die Signalisierung der zugelassenen Geschwindigkeit und Entfernung bis zum nächsten Geschwindigkeitswechsel oder einem LZB- bzw. ETCS-Halt erfolgt über die sogenannten Führungsgrößen. Dabei werden dem Triebfahrzeugführer die Sollgeschwindigkeit, Zielgeschwindigkeit und Zielentfernung auf einem ►Führerraumdisplay bzw. in der ►Modularen Führerraumanzeige (MFA) angezeigt.

Die Anzeigen im Führerraum sind den ortsfesten Signalen am Fahrweg gleichgestellt und können diese ersetzen. Somit haben Signalbegriffe an ortsfesten Hauptsignalen für einen anzeigegeführten Zug keine Bedeutung.

Wenn das ►Vorsignal, eines dunkelgeschalteten Hauptsignals in Stellung Halt, "Halt erwarten" (Signal ►Vr 0 bzw. ►Ks 2) zeigt, und eine Vorbeifahrt am Hauptsignal  im LZB-/ETCS-Betrieb zugelassen ist, muss das Vorsignal nicht beachtet werden. Eine Bedienung der Wachsamtaste ist nicht notwendig.



Dunkelschaltung zur Vorbeifahrt an Halt zeigenden Signalen

  • Die Dunkelschaltung eines ortsfesten Signals erfolgt in erster Linie bei Halt zeigenden Hauptsignalen, da die Führerraumanzeige der Streckensignalisierung ortsfester Signale grundsätzlich nicht wiedersprechen darf (sonst Haltsignal trotz Fahrauftrag) - auch wenn ortsfeste Signale für anzeigegeführte Züge in der Regel keine Bedeutung haben.
  • Mit der Dunkelschaltung wird vermieden, dass sich Triebfahrzeugführer daran gewöhnen (in diesen Fällen erlaubt), über Halt zeigende Signale zu fahren.



Funktion und Zweck der Dunkelschaltung

Um die Zugfolge zu erhöhen und den Abstand zwischen hintereinander fahrenden Zügen zu verringern, werden auf Strecken die mit LZB bzw. ETCS ausgestattet sind, sogenannte Teilblöcke (Blockstrecken für anzeigegeführte Züge) eingerichtet.


Blockstrecken für anzeigegeführte Züge (Teilblöcke)

Während eine Blockstrecke für signalgeführte Züge normalerweise nur durch einen einzigen Zug belegt werden darf, lässt sich eine Blockstrecke für anzeigegeführte Züge in viele kleine virtuelle Blockenstrecken aufteilen.

Im Gegensatz zu Blockstrecken für signalgeführte Züge, die nur durch Hauptsignale gesichert sind (Streckenblock), werden Blockstrecken für anzeigegeführte Züge durch

  • Hauptsignale an den Enden des Streckenblocks (Ganzblock) gesichert und
  • durch ►Blockkennzeichen bzw. nur bei ETCS durch Signal ►Ne 14 gekennzeichnet (Teilblock). [4] 



LZB- / ETCS-Halt an Hauptsignalen

An einem Halt zeigenden Hauptsignal hat der anzeigegeführter Zug nur zu halten, wenn er dies durch

  • einem LZB- bzw. ETCS-Halt mit Zielentfernung zum Signal und
  • Zielgeschwindigkeit 0 km/h angezeigt bekommt. [3]


Nach dem Anhalten zeigen Ziel- und Sollgeschwindigkeit in der Führerraumanzeige solange 0 km/h an, bis LZB-Fahrt bzw. ETCS-Fahrterlaubnis zur Weiterfahrt durch den Fahrdienstleiter gegeben wird.



LZB- / ETCS-Halt an virtuellen Blockstellen

Virtuelle Blockstellen für LZB

Virtuelle Blockstellen sind eingerichtet an Stellen, die mit einem allein stehenden Blockkennzeichen gekennzeichnet sind. Bei LZB sind virtuelle Blockstellen eingerichtet für Fahrten auf dem Gegengleis

  • in Höhe des Blocksignals einer Abzweigstelle oder
  • in Höhe des Einfahrsignals eines Bahnhofs. [4]


Virtuelle Blockstellen für ETCS

Virtuelle Blockstellen sind eingerichtet an Stellen, die mit einem allein stehenden Blockkennzeichen oder einem Signal Ne 14 gekennzeichnet sind. [4]

 


Maßnahmen im Regelfall

- Fahrdienstleiter -

Signale auf Halt stellen / Dunkelschaltung überprüfen

  • Der Fahrdienstleiter muss alle Hauptsignale, welche die LZB oder ETCS für den Zug dunkelgeschaltet hatte, auf Halt stellen.
  • Zusätzlich muss er ermitteln, ob die LZB oder ETCS für den Zug auch Signale dunkelgeschaltet hatte, die Nachbarfahrdienstleitern zugeteilt sind.
  • Wenn dies zutrifft, muss er die Nachbarfahrdienstleiter auffordern, die Signale auf Halt zu stellen und dies zu bestätigen. [5]



Maßnahmen bei Unregelmäßigkeiten

LZB-Übertragungsausfall am Fahrzeug

- Triebfahrzeugführer -

      Kommt es zu einem LZB-Übertragungsausfall, so gelten festgelegte Handlungsbestimmungen, die u. a.

      • die signalgeführte Weiterfahrt vorschreiben.
      • Der Übertragungsausfall der LZB ist dem Fahrdienstleiter zu melden.
      • Der Zug hat dann an Halt zeigenden Hauptsignalen zu halten, auch wenn diese noch immer dunkelgeschaltet sind.
      • Wenn der Triebfahrzeugführer für die Weiterfahrt einen Befehl benötigt, muss er dem Fahrdienstleiter mitteilen, wo die Spitze des Zuges hält. [6]


      Tf meldet LZB-Übertragungsausfall

      - Fahrdienstleiter -

      Wenn der Triebfahrzeugführer dem Fahrdienstleiter meldet, dass er für die Weiterfahrt nach einem LZB-Übertragungsausfall einen Befehl benötigt, gilt Folgendes:

      Der Fahrdienstleiter muss

      • alle Hauptsignale, welche die LZB für den Zug dunkelgeschaltet hatte, auf Halt stellen.
      • Zusätzlich muss er ermitteln, ob die LZB für den Zug Signale dunkelgeschaltet hatte, die Nachbarfahrdienstleitern zugeteilt sind.
      • Wenn dies zutrifft, muss er die Nachbarfahrdienstleiter auffordern, die Signale auf Halt zu stellen und dies zu bestätigen. [6]


      Bei Halt in Zugfolgeabschnitt mit Ende durch Blockkennzeichen

      Wenn der Zug in einem Zugfolgeabschnitt hält, dessen Ende durch ein Blockkennzeichen der freien Strecke gekennzeichnet ist, muss der Fahrdienstleiter eine Einzelräumungsprüfung durchführen.

      Im Betriebsstellenbuch können ergänzende Regeln gegeben sein. [6]


      Befehl 10 und 10.1 an Tf zur Weiterfahrt

      Der Fahrdienstleiter muss dem Triebfahrzeugführer Befehl 10 mit dem Wortlaut:

      „Fahren Sie signalgeführt weiter“


      und Befehl 10.1 erteilen

      „Sie müssen 2000 m mit höchstens 40 km/h fahren.“ [6]



      Maßnahmen bei Unregelmäßigkeiten

      Ausfall der LZB-Streckeneinrichtung

      Signalgeführte Zugfahrt auf Anordnung der BZ

      Wenn die LZB-Streckeneinrichtung unwirksam ist, darf die Betriebszentrale anordnen, dass alle Züge zwischen zwei Zugmeldestellen signalgeführt fahren.


      Für Fahrdienstleiter gilt Folgendes:

      • Er muss den Triebfahrzeugführern Befehl 9

      "Schalten Sie die LZB von Zmst _____ bis Zmst ____ ab"


      erteilen und Befehl 10 mit dem Wortlaut:

      „Fahren Sie signalgeführt weiter“.



      Zustimmung des Fdl zur Abfahrt auf einem Bahnhof bei Dunkelschaltung

      Mitteilung über Zustimmung von Tf an Zugaufsicht

      Der Triebfahrzeugführer, muss bei Dunkelschaltung des Hauptsignals durch LZB / ETCS, der Zugaufsicht die Zustimmung des Fahrdienstleiters mitteilen, sofern er nicht selbst die Zugaufsicht wahrnimmt. [2]


      Zugaufsicht kann Zustimmung am Fahrtanzeiger feststellen

      Ist ein Fahrtanzeiger auf dem Bahnhof vorhanden, an der die Zugaufsicht die Zustimmung des Fahrdienstleiters festellen kann, ist eine Mitteilung nicht erforderlich.

      Diese Fahrtanzeiger sind auf den Bahnhöfen Siegburg/Bonn, Montabaur, Limburg Süd und Frankfurt(M) Flughafen Fernbahnhof auf der Strecke Köln-Rhein/Main (Fahrtanzeiger in der Bedienstelle für das Zp 9-Signal integriert) sowie auf den Bahnhöfen Allersberg (Rothsee) und Kinding auf der Strecke Nürnberg-Ingolstadt (nur in Fahrtrichtung München). [2]


      Literaturquelle:

      [1]  Ril 408.0101A01 "Anzeigegeführt" - gültig ab 13.12.2015

      [2]  Ril 418.3120 Abschn. 3 Abs. 4 - gültig ab 10.06.2012

      [3]  Ril 408.0101A01 "ETCS-Halt" - gültig ab 13.12.2015

      [4]  Ril 408.0101A01 "Virtuelle Blockstellen" - gültig ab 13.12.2015

      [5]  Ril 408.0458 Abschn. 3 Abs. 4 - gültig ab 13.12.2015

      [6]  Ril 408.0651 Abschn. 4 Abs. 1 - gültig ab 13.12.2015

      [7]  § 14 Abs. 1 EBO "Signale und Weichen"