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Sandstreueinrichtung

  • Fahrzeugtechnisches System, das durch "Sanden" die Reibwertausnutzung zwischen Rad und Schiene erhöht



Allgemein

Eine Sandstreueinrichtung, auch Sandungsanlage genannt, ist ein fahrzeugtechnisches System, dass durch das Streuen von Sand vor die Räder der vorderen Achse die Reibwerte zwischen Rad und Schiene (siehe Rad-Schiene-System) erhöht. Bei geringer Reibwertausnutzung kann somit das Rollverhalten stabilisiert und eine höhere Übertragung der Traktions- und Bremskräfte erzielt werden.


Sandstrahlrohr vor dem Rad der vorderen Achse


Das so genannte "Sanden" dient dabei insbesondere dem Anfahren sowie Bremsen, vor allem bei schlüpfrigen Verhältnissen, wie starker Feuchtigkeit und Glätte bei Regen oder Schnee und Laubbefall auf der Schiene. Der Sand verringert oder verhindert dabei das Schleudern oder Gleiten des Fahrzeugs. Die Sandstrahlrohre über welche der Sand auf die Schiene gebracht wird, befinden sich jeweils am ersten Drehgestell eines Triebfahrzeugs und Steuerwagens.


Aufbau der Sandstreueinrichtung (Quelle: Knorr Bremse / SCHIG)



Sandstreueinrichtung bedienen

Die Sandstreueinrichtung wird durch einen Taster im Führerraum, der nach vorn oder hinten gekippt werden kann, ausgelöst.


Kipptaster "Sanden" auf dem Führerpult einer Elektrolokomotive der Baureihe 146


Der Triebfahrzeugführer hat dabei die Möglichkeit durch kurzzeitiges "Sanden" oder "Dauersanden", Sand vor die erste vorauslaufende Achse des führenden Fahrzeuges zu streuen. Der Sand wird dabei aus einem Sandbehälter mithilfe von Druckluft über ein Sandstrahlrohr direkt auf die Lauffläche des Schienenkopfs gebracht und erhöht somit die Haftreibwerte zwischen Rad und Schiene.


Hinweis: Die Sandstreueinrichtung ist nur im Bedarfsfall zu bedienen, wenn es aufgrund von ungünstigen Haftreibwerten erforderlich wird.


Es kann z.B. gesandet werden:

  • bei geringer Reibwertausnutzung, zur Unterstützung des Regelvorgangs bei Beschleunigung oder Bremsung
  • bei widrigen Witterungsverhältnissen, sobald sich der Zug in Bewegung
    setzt (Dauersanden)
  • vor dem Anhalten, wenn anschließend das Anfahren aus dem Stillstand bei Steigerung erfolgt
  • bei Bremsungen im Gefahrenfall, um eine Zwangs- oder Notbremsung zu unterstützen


Mit dem Kipptaster "Stromabnehmer" in die Stellung "Nieder und Sanden" kann im Gefahrenfall der Bügel des Stromabnehmers gesenkt und zusätzlich die Sandstreueinrichtung aktiviert werden, um einen schnelleren Halt des Fahrzeugs zu erreichen.


Kipptaster "Stromabnehmer" auf dem Führerpult einer Elektrolokomotive der Baureihe 146


Bei Störung der Sandungsanlage kann diese mit dem zugehörigen Absperrhahn absperrt werden (siehe Sandstreueinrichtung schadhaft).



Sandstreueinrichtung nicht verwenden!

Die Sandstreueinrichtung sollte jedoch nicht dauerhaft und überall verwendet werden, da Weichengetriebe gestört werden könnten oder Gleisfreimeldeanlagen, aufgrund der isolierenden Wirkung des Sandes, fälschlicherweise das Freisein eines Gleises anzeigen könnten. So ist bspw. das Sanden beim überfahren von Weichen, bei hohen Geschwindigkeiten über 160 km/h sowie niedrigen Geschwindigkeiten von etwa 15 km/h oder weniger in der Regel nicht zulässig.