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Indirekte Druckluftbremse (durchgehend, selbsttätig)

  • Bremseinrichtung, bei der die Bremssteuerung und Regulierung der Bremskraft durch Druckänderung in der HL über das Führerbremsventil erfolgt
  • Ist bei allen Fahrzeugen - ausgenommen Kleinlokomotive - gemäß § 23 Abs. 1 EBO vorgeschrieben
  • Alle Fahrzeuge eines Zuges sind über "durchgehende" Luftleitungen (HL und HBL) verbunden; Güterwagen i.d.R. ohne HBL
  • HL-Druckabsenkung führt indirekt - umgesetzt durch das Steuerventil - zum Druckaufbau im Bremszylinder und dem Anlegen der Druckluftbremsen am Zug; HL-Druckerhöhung führt zur Entlüftung der Bremszylinder und dem Lösen der Druckluftbremsen
  • Bei Entlüftung der HL oder unabsichtlicher Zugtrennung erfolgt sofortiges "selbsttätiges" Ansprechen der Druckluftbremsen aller Fahrzeuge



Allgemein  [1][2][4]

Die durchgehende selbsttätige indirekt wirkende Druckluftbremse ist die Standardbremse der Eisenbahn, bei der die Steuerung und Versorgung der Druckluftbremsen innerhalb des Zuges pneumatisch erfolgt. Verbindungsleitungen versorgen dabei alle Fahrzeuge eines Zuges durchgehend mit Druckluft und steuern mithilfe von Druckluftänderungen das Anlegen und Lösen der Reibungsbremsen am Zug.

Erfolgt die Steuerung der indirekten Druckluftbremse - wie in modernen Zügen üblich - hingegen zusätzlich elektronisch, so handelt es sich um eine indirekt wirkende elektropneumatische Bremse (ep-Bremse).



Gesetzliche Regelungen zur durchgehenden Bremse

Der Einsatz der durchgehenden indirekt wirkenden Bremseinrichtung ist durch die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) gesetzlich vorgeschrieben. So müssen Züge, die mit einer zulässigen Geschwindigkeit von mehr als 50 km/h gefahren werden, gemäß § 35 Abs. 1 EBO mit einer durchgehenden Bremse ausgestattet sein. § 23 Abs. 1 und 2 EBO regelt darüber hinaus, dass Fahrzeuge - ausgenommen Kleinlokomotiven - mit einer durchgehenden selbsttätigen Bremse ausgerüstet sein müssen, die bei jeder unbeabsichtigten Unterbrechung der Bremsleitung selbsttätig wirksam wird. Diese muss zudem in beliebiger Reihung mit den Bremsbauarten derjenigen Bahnen zusammenarbeiten, auf deren Strecken die Fahrzeuge übergehen.



Hauptluftleitung (HL) und Hauptluftbehälterleitung (HBL)

Die Hauptluftleitung (HL), deren Regelbetriebsdruck 5 bar beträgt, ist eine durchgehende Steuer- und Versorgungsleitung (Luftleitung), an der alle Fahrzeuge eines Zuges angeschlossen sind. Sie dient dabei sowohl der pneumatischen Steuerung der Druckluftbremsen am Zug als auch der Druckluftversorgung der Vorratsluftbehälter in den Fahrzeugen. Die HL ist in der Regel an den Enden der Wagen und Triebfahrzeugen gegabelt (zwei Verbindungsschläuche vorhanden; je einen links und einen rechts, inklusive Absperrhähne). Eine Ausnahme bildet hier ein Großteil der Güterwagen, da sie in der Regel nur über einen Verbindungsschlauch für die HL verfügen.

Eine weitere Luftleitung ist die Hauptluftbehälterleitung (HBL). Sie führt einen Druck von 8 bis 10 bar und wird ebenfalls über alle Fahrzeuge eines Zuges verbunden - mit Ausnahme einer beschränkten Anzahl von Güterwagen, die im Sinne § 23 Abs. 1 EBO über keine HBL verfügen müssen. Die HBL dient damit als Versorgungsleitung für zusätzliche Bremsausrüstungen, wie z.B. der direkten Druckluftbremse (Zusatzbremse), der Führerbremsventilanlage eines Steuerwagens, der Magnetschienenbremse (Mg) und der elektropneumatischen Bremse (ep-Bremse). Zudem wird die Druckluft der HBL für die Einstiegs-, Zwischen- und Übergangstüren von Reisezugwagen, für Luftfedern bei Fahrzeugen mit luftgefederten Drehgestellen und weitere Nebenverbraucher (u.a. die WC-Anlage) verwendet.


Schlauchverbindungen für HL (rot) und HBL (gelb) neben der Schraubenkupplung (mittig) einer Lokomotive der Baureihe 146


Die Verbindungsanschlüsse für HL und HBL befinden sich an den Zugenden. Sie können als Schlauchverbindung bei einer Schraubenkupplung oder als Bestandteil einer Mittelpufferkupplung (siehe Scharfenbergkupplung) ausgeführt sein.


Reisezugwagen


Verbindungsschläuche für HL

und HBL, inkl. Absperrhähne

(jeweils links und rechts) neben der Schraubenkupplung (mittig)


Güterwagen


Verbindungsschlauch für HL,

inkl. Absperrhahn neben der Schraubenkupplung (mittig)


Moderne Triebzüge oder Triebwagen


Verbindungsanschlüsse

für HL (oberhalb) und HBL

(unterhalb) als Bestanteil einer Mittelpufferkupplung (Scharfenbergkupplung)




Druckluftregulierung in HL zum Anlegen oder Lösen der Druckluftbremsen

Führerbremsventil (links) und Bremssteller für E-Bremse (rechts) im Führerraum eines modernen elektrischen Triebfahrzeugs

Das Bedienen des Führerbremsventils in Bremsstellung führt zur Druckabsenkung innerhalb der HL, was wiederum - gesteuert durch ein Steuerventil in den Fahrzeugen - indirekt zum Aufbau von Druckluft aus dem Vorratsluftbehälter im Bremszylinder führt. Der Bremszylinder lässt daraufhin Reibungsbremsen (Klotz- oder Scheibenbremsen)  auf das einzelne Rad oder einen Radsatz wirken, die den Zug abbremsen.

Bei einer Erhöhung des Drucks in der Hauptluftleitung zurück auf 5 bar werden die Bremszylinder entlüftet und die Bremsen am Zug lösen wieder aus.



Entlüftung der HL führt zum selbsttätigen Anlegen der Bremsen

Wird die Druckluft aus der HL abgelassen oder kommt es während der Fahrt zu einer unabsichtlichen Zugtrennung und der damitverbundenen Entlüftung der Hauptluftleitung, so tritt ein sofortiges "selbsttätiges" Wirken (gemäß § 23 Abs. 2 EBO) der Bremsen ohne besondere Maßnahmen ein. Dies geschied, ähnlich wie bei der Zwangs- oder Notbremseinrichtung bzw. der Einleitung einer Schnellbremsung, durch eine vollständige Entleerung der HL und dem Druckabfall auf 0 bar, der zum Druckaufbau in den Bremszylindern der Fahrzeuge führt und die Druckluftbremse sofort ansprechen lässt.



HL- / HBL-Druckluftanzeige

Die Absenkung oder Erhöhung des Drucks in der Hauptluftleitung wird in einem Manometer angezeigt. Zusätzlich kann im selben Manometer oder separat die Darstellung des Hauptluftbehälterleitungsdrucks erfolgen.


Manometer zeigt 5 bar HL-Druck und 10 bar HBL-Druck



Bremsanzeige an der Fahrzeugaußenseite

Bremsanzeige an der Außenseite einer Lokomotive

Bei einigen Fahrzeugen (Triebfahrzeuge und Reisezugwagen) kann mithilfe einer Bremsanzeigeeinrichtung der Bremszustand auch an der Fahrzeugaußenseite abgelesen werden. Die Anzeige gibt darüber Auskunft, ob die Druckluftbremse gelöste oder angelegt ist.





Literaturquelle:

[1]  J. Janicki, H. Reinhard, M. Rüffer "Schienenfahrzeugtechnik", Bahn Fachverlag, 3. Auflage, 2013, S. 306-308

[2]  J. Janicki, H. Reinhard, M. Rüffer "Schienenfahrzeugtechnik", Bahn Fachverlag, 3. Auflage, 2013, S. 148-150

[3]  J. Janicki, H. Reinhard, M. Rüffer "Schienenfahrzeugtechnik", Bahn Fachverlag, 3. Auflage, 2013, S. 337

[4]  § 23 EBO