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Hauptluftleitung (HL / HLL)

  • Durchgehende Verbindungsleitung zur pneumaltischen Steuerung, Erzeugung der Bremskraft und Versorgung der Druckluftbremsen des Zuges
  • Gehört zur durchgehenden indirekten Druckluftbremse
  • Druckluftregulierung erfolgt mit Führerbremsventil im Führerraum; HL-Druckluftanzeige über Manometer
  • Regelbetriebsdruck bei gelöster Bremse beträgt 5 bar
  • Bremsprobe bzw. vereinfachte Bremsprobe zur Prüfung der ordnungsgemäßen Funktion erforderlich



Allgemein  [1][2]

Die Hauptluftleitung, abgekürzt HL oder HLL, gehört zur durchgehenden indirekten Druckluftbremse und ist eine Verbindungsleitung (Luftleitung), mit der alle Fahrzeuge eines Zuges verbunden sind. 


Verbindung der Hauptluftleitung über alle Fahrzeuge eines Zuges (stark vereinfachte Darstellung)


Über die HL, deren Regelbetriebsdruck 5 bar beträgt, erfolgt sowohl

  • die Druckluftversorgung der Vorratsluftbehälter in den jeweiligen Fahrzeugen,
  • die pneumatische Steuerung zum Anlegen und Lösen der Bremsen innerhalb des Zuges sowie
  • die indirekte Erzeugung der Bremskraft in den Bremszylindern der Fahrzeuge über Steuerventile.



Überprüfung der Funktionsfähigkeit

Zur Überprüfung der ordnungsgemäßen Funktionsfähigkeit der durchgehenden indirekt wirkenden Druckluftbremse, muss in bestimmten zeitlichen Abständen bzw. nach oder vor bestimmten betrieblichen Handlungen eine Bremsprobe bzw. vereinfachte Bremsprobe durchgeführt werden.



Entlüftung der HL führt zum selbsttätigen Anlegen der Bremsen

Wird die Druckluft aus der HL abgelassen oder kommt es während der Fahrt zu einer unabsichtlichen Zugtrennung und der damitverbundenen Entlüftung der Hauptluftleitung, so tritt ein sofortiges "selbsttätiges" Wirken der Bremsen ohne besondere Maßnahmen ein. Dies geschied, ähnlich wie bei der Zwangs- oder Notbremseinrichtung bzw. der Einleitung einer Schnellbremsung, durch eine vollständige Entleerung der HL und dem Druckabfall auf 0 bar, der zum Druckaufbau in den Bremszylindern der Fahrzeuge führt und die Druckluftbremse sofort ansprechen lässt.



Druckluftregulierung mit Führerbremsventil

Reguliert wird die Druckluft in der HL vom führenden Fahrzeug (Triebfahrzeug oder Steuerwagen) über das Führerbremsventil (FbrV / FbV) im Führerraum. Eine Absenkung des HL-Drucks unter 5 bar führt dabei zum Anlegen der Bremsen. Wird der Druck zurück auf 5 bar erhöht, so Lösen die Bremsen am Zug wieder aus. 


Führerbremsventil (links) und Bremssteller für dyn. Bremse (rechts)


Führerbremsventil mit Schlüsselventil im Führerraum eines älteren Triebfahrzeugs



HL-Druckluftanzeige

Über ein Manometer im Führerraum wird die bestehende Druckluft in der HL und der Hauptluftbehälterleitung (HBL) angezeigt. In den meisten Fällen geschieht dies über einen gelben Zeiger für den HL-Druck und einen roten Zeiger für den HBL-Druck. 

Bei anderen Fahrzeugen kann der HL-Druck auch in einem separaten Manometer mit weißem oder gelbem Zeiger angezeigt werden.


Manometer zeigt 5 bar HL-Druck und 10 bar HBL-Druck im Führerraum einer Baureihe 146


Mittlerer Manometer zeigt 5 bar HL-Druck im Führerraum einer Baureihe 143


Manometer zeigt 0 bar HL-Druck im Führerraum einer Baureihe 425



HL-Druck

Bremsstellung

Druckabsenkung

um

HL-Druck

(i.d.R. unzulässig)


> 5,4 bar

gelöste Bremsen / Fahrstellung

0 bar

5 bar

Betriebsbremsung

zw. 0,3 - 1,5 bar

zw. 4,7 - 3,5 bar

Vollbremsung

1,5 bar

3,5 bar

Schnellbremsung

Zwangsbremsung

Notbremsung

5 bar

(Entlüftung der HL)

0 bar



Verbindungsanschlüsse  [1]

Da die HL durch den gesamten Zug führt und durchgängig mit Druckluft versorgt sein muss, wird zwischen den einzelnen Fahrzeugen neben der Schraubenkupplung eine Schlauchverbindung hergestellt, deren Absperrhähne geöffnet sein müssen. Am jeweils letzten Fahrzeug - an der Zugspitze und am Zugschluss - müssen die Absperrhähne hingegen geschlossen sein, um ein entweichen der Druckluft zu verhindern.


IC-Reisezugsteuerwagen mit Schlauchverbindungen und Absperrhähne für HBL und HL (je links und rechts) von der Schraubenkupplung (mittig)


Güterzugwagen mit Schlauchverbindung und Absperrhahn für HL (links) neben der Schraubenkupplung (mittig)


Bei modernen Triebzügen oder Triebwagen erfolgt die Verbindung der HL- und HBL-Leitungen zwischen zwei oder mehr Zügteilen über eine Mittelpufferkupplung, z.B. der Scharfenbergkupplung. Die Anschlüsse für die durchgehende Druckluftverbindung sind dabei direkt in die Kupplung integriert.


Elektrotriebzug mit Verbindungsanschluss für HL (oberhalb) und HBL (unterhalb) als Bestandteil der Scharfenbergkupplung



Literaturquelle:

[1]  J. Janicki, H. Reinhard, M. Rüffer "Schienenfahrzeugtechnik", Bahn Fachverlag, 3. Auflage, 2013, S. 148-150

[2]  J. Janicki, H. Reinhard, M. Rüffer "Schienenfahrzeugtechnik", Bahn Fachverlag, 3. Auflage, 2013, S. 306