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Führerraum (FR / Fü)

  • Raum mit allen Bedien- und Überwachungselementen, von dem aus ein Zug gesteuert wird
  • Arbeitsplatz des Triebfahrzeugführers



Allgemein  [1]

(Quelle: Siemens)

Der Führerraum, abgekürzt FR oder Fü, - früher auch Führerstand genannt - ist der Arbeitsplatz des Triebfahrzeugführers, von dem aus die Steuerung des Fahrzeugs erfolgt. Hierzu verfügt der Bediener über ausreichend Platz und einen übersichtlichen, ergonomischen Arbeitsplatz. Das Führerpult ist so gestaltet, dass alle Anzeigeeinrichtungen im Blickfeld liegen und die wichtigsten Bedienelemente vom Führersitz aus leicht erreichbar sind.



Führerräume unterschiedlicher Fahrzeuge

Führerraum einer Elektrolokomotive der Baureihe 146


Führerraum eines Elektrotriebzuges der Baureihe 407

(ICE 3 Velaro D)


Führerraum eines Elektrotriebzuges der Baureihe 411/415 (ICE-T)


Führerraum eines Elektrotriebzuges der Baureihe 430


Führerraum eines Elektrotriebzuges der Baureihe 423


Führerraum einer Elektrolokomotive der Baureihe 143


Führerraum eines Dieseltriebwagens der Baureihe 628


Führerraum eines Elektrotriebzuges der Baureihe 442

(Quelle: Conaly)




Einheitsführerstand  [1]

Der Einheitsführerstand ist ein von der früheren Deutschen Bundesbahn geschaffener Standard zur Anordnung der Bedienelemente und Anzeigen. Für die Entwicklung wurden die damaligen Erkenntnisse der Arbeitsergonomie berücksichtigt. 


Führerraum des ICE-Versuchszuges (InterCityExperimental)


Unter der Bezeichnung "Integrierter Führerraum" wurde der Einheitsführerstand für die Elektrolok der DB-Baureihe Baureihe 111 entwickelt, der später auch als Führertisch im Steuerwagen der Bauart Bxf 796, in der Baureihe 120 und der Baureihe 401 (ICE 1) zum Einsatz kam.



European Drivers Desk (EUDD)  [2]

Ein neuer herstellerübergreifender europäischer Standard für den Führertisch ist der European Driver's Desk (EUDD). Der EUDD ist an die Anordnung der Anzeigeinstrumente des Einheitsführerstands angelehnt, weicht aber hinsichtlich der Bedienphilosophie ab. Insbesondere durch die heute generell übliche Computerregelung der Zug- und Bremskräfte wird die Aufteilung der Hauptbedienelemente auf einen Zugkrafthebel, einen Hebel für die pneumatische Bremse und einen für die dynamische Bremse als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Der EUDD fasst Zugkraftsteller und dynamische Bremse in einen Fahr-/Bremsschalter mit Mittelstellung zusammen.


Führerstand einer Alstom Prima II (Quelle: kilux)


Für die indirekte Bremse ist generell ein Führerbremsventil (FbrV) mit zeitabhängiger Steuerung vorhanden. FbrV dieser Bauart sind in Deutschland nicht mehr üblich (hier wurden seit der Nachkriegszeit ganz überwiegend stellungsabhängige FbrV verbaut), sind aber im restlichen Europa weit verbreitet. Die Spezifikation des EUDD erstreckt sich außer auf die Bedienelemente auch auf die Bildschirmdarstellungen der Displays im Führerstand.

Letzter Stand der Normung ist seit 2010 der sogenannte EUDDplus. Dieser unterscheidet sich in Details vom EUDD. Zentral vor dem Bediener ist eine Tastatur zur textuellen Dateneingabe spezifiziert. Der Vsoll-Steller der automatischen Geschwindigkeitsregelung, beim EUDD als Auf-Ab-Steller realisiert, ist beim EUDDplus wieder als Weitbereichs-Steller (siehe Automatische Fahr- und Bremssteuerung) wie im DB-Einheitsführerstand ausgeführt. Pilotplattform für den EUDDplus war die Alstom Prima II.



Literaturquelle:

[1]  DB-Fachbuch "Schienenfahrzeugtechnik", 2. Auflage, Seite 231-233

[2]  de.wikipedia.org/wiki/European_Driver%E2%80%99s_Desk