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Bremsweg

  • Wegstrecke, die ein Zug vom Bremsbeginn bis zum Stillstand zurücklegt
  • BrH geben Bremsvermögen eines Zuges an
  • Für signalgeführte Züge sind Bremswege von 1.000 m oder 700 m (Hauptbahnen) bzw. 700 m oder 400 m (Nebenbahnen) vorgeschrieben; Abweichnungen zulässig
  • Für anzeigegeführte Züge mit kontinuierlicher Zugbeeinflussung und Geschwindigkeiten über 160 km/h sind größere Bremswege zulässig



Allgemein  [2]

Bei der bremstechnischen Untersuchung ist zwischen

  • dem Anhalteweg,

gesamter Weg zwischen Bremsaufforderung und Stillstand

  • dem Bremsweg und

zurückgelegte Wegstrecke, die ein Zug vom Bremsbeginn (Betätigung der Bremse) bis zum Stillstand benötigt

  • dem verkürzten Bremsweg

zurückgelegte Wegstrecke, abzüglich der Wegstrecke bis zum Einsetzen der Verzögerungswirkung (da die Bremsung nicht sofort mit Betätigung der Bremse einsetzt)

zu unterscheiden.



Bremswegberechnung

Der Bremsweg lässt sich wie folgt berechnen. [3]



s = Bremsweg (m)

v = Geschwindigkeit (km/h)

a = Bremsverzögerung (m/s)



Ermittlung des Bremsvermögens eines Zuges

Zur Ermittlung und Beurteilung des Bremsvermögens eines Zuges werden die ►Bremshundertstel (BrH) benötigt. Sie geben darüber Auskunft, wie stark ein Zug bremsen kann. Die BrH ergeben sich aus

  • dem Gesamtzuggewicht (Masse des Zuges) und
  • dem Gesamtbremsgewicht (Bremskraft des Zuges, resultierend aus der verwendeten Bremsart).


Wird ein Zug beladen, verändert sich nicht nur das Gesamtgewicht, sondern auch die Bremswirkung und damit der Bremsweg. Denn mit zunehmender Last verringert sich die Bremswirkung, was zu einer Verlängerung des Bremsweges führt. [2]



Bremswege aus Geschwindigkeiten von 10 bis 165 km/h  [4]

Bei einer ►Betriebsbremsung mit einer Bremsverzögerung von ca. 1 m/s ergeben sich die folgenden Bremswege:


Ein Zug benötigt bei einer Geschwindigkeit

von ...

einen Bremsweg

von ...

10 km/h

4 m.

20 km/h

15 m.

30 km/h

35 m.

40 km/h

62 m

50 km/h

96 m

60 km/h

139 m

70 km/h

189 m

80 km/h


(Bremswegabstand 400 m auf Nebenbahnen)


247 m

90 km/h

313 m

100 km/h


(Bremswegabstand 700 m auf Neben- und Hauptbahnen)


386 m


110 km/h

467 m

120 km/h

556 m

130 km/h

652 m

140 km/h

756 m

150 km/h

868 m

160 km/h


Höchstgeschwindigkeit signalgeführter Züge

(Bremswegabstand 1.000 m auf Hauptbahnen)

988 m


Aufgrund der langen Bremswege müssen Geschwindigkeitsermäßigungen und Haltsignale in einer ausreichenden Entfernung, bspw. durch ►Vorsignale, angekündigt werden. Der größte Bremsweg beträgt daher gemäß § 35 Abs. 4 EBO auf Hauptbahnen 1.000 und auf Nebenbahnen 700 m. [4]

Für bestimmte Strecken kann bei den ►Eisenbahnen des Bundes (EdB) das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und für ►nichtbundeseigenen Eisenbahnen (NE) die zuständigen Landesbehörde auch Bremswege zulassen, die über 1.000 m oder 700 m hinausgehen.


Der Signalfolgeabstand zwischen Vor- und Hauptsignal wird als ►Bremswegabstand und entspricht:

  • 1.000 bis 1.300 m (maximal jedoch 1.500 m) auf Hauptbahnen mit bis zu 160 km/h,
  • 700 m auf Haupt- und Nebenbahnen mit Geschwindigkeiten bis 100 km/h und
  • 400 m auf Nebenbahnen mit geringeren Geschwindigkeiten bis 80 km/h.


Muss aufgrund örtlicher Verhältnisse vom benötigten Bremswegabstand gemäß Regelbremsweg um mehr als 5 % abgewichen - und somit dieser verkürzt werden, gilt die Beachtung besonderer Vorschriften (siehe ►verkürzter Bremswegabstand).



Bremswege bei Geschwindigkeiten von 166 bis 330 km/h  [4]

Bei Geschwindigkeiten über 160 km/h werden Bremswege von weit mehr als 1.000 m erreicht, wodurch der konventionelle Bremswegabstand zwischen Vor- und Hauptsignalen nicht mehr ausreicht, um ein Haltsignal rechtzeitig anzukündigen. Züge mit Geschwindigkeiten über 160 km/h dürfen daher ihre Fahr- und Haltaufträge nicht mehr durch ortsfeste Signale erhalten. Sie verkehren stattdessen ►anzeigegeführt unter Wirkung eines Zugbeeinflussungssystems, wodurch gemäß § 35 Abs. 4 EBO besondere Bremswege gelten dürfen.

Der ►Triebfahrzeugführer erhält dabei alle notwendigen Informationen direkt auf Führerraumanzeigen (siehe ►Führerraumsignalisierung), sodass der Beginn einer Bremsung im ausreichenden Abstand eingeleitet werden kann bzw. über die ►Automatische Fahr- und Bremssteuerung (AFB) in Verbindung mit dem Zugbeeinflussungssystem ►LZB oder ►ETCS rechnergesteuert ausgeführt wird.


Bei einer Bremsverzögerung von ca. 1 m/s und Geschwindigkeiten von 160 bis 330 km/h ergeben sich die folgenden Bremswege:


Züge mit Geschwindigkeiten

bis ...

benötigen einen Bremsweg

von bis zu ...

170 km/h

1.115 m

180 km/h

1.250 m

190 km/h

1.393 m

200 km/h

1.543 m

210 km/h

1.701 m

220 km/h

1.867 m

230 km/h

2.041 m

240 km/h

2.222 m

250 km/h

2.411 m

260 km/h

2.608 m

270 km/h

2.813 m

280 km/h

3.025 m

290 km/h

3.245 m

300 km/h

3.472 m

310 km/h

3.708 m

320 km/h

3.951 m

330 km/h

4.201 m



Literaturquelle:

[1]  Fachbuch "Handbuch Eisenbahninfrastruktur", 2. Auflage, 2013, Seite 534

[2]  DB-Fachbuch "Schienenfahrzeugtechnik", 2. Auflage, 2008, Seite 50-51

[3]  Fachbuch "Planung von Bahnanlagen", 2009, Seite 178

[4]  § 35 Abs. 4 EBO