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Bremsanschrift

  • Anschrift an Fahrzeugen, welche über die Bremseinrichtungen sowie ihre  verschiedenen Eigenschaften und technischen Merkmale Auskunft gibt
  • Besteht aus "Bezeichnung der Bremse", "Bremsgewichte" und "Fahrzeugmasse"



Allgemein  [1][2]

Die Bremsanschrift an Fahrzeugen gibt darüber Auskunft, mit welchen Bremseinrichtungen ein Schienenfahrzeug ausgestattet ist und über welche verschiedenen Eigenschaften und technischen Merkmale diese verfügen.


Reisezugsteuerwagen mit Verweis auf die Bremsanschrift


Die Anschrift ist im unteren Teil des Fahrzeugkastens bzw. am Längsträger eines Fahrzeugs zu finden und besteht dabei aus den drei Blöcken

  • Bezeichnung der Bremse,
  • Bremsgewichte und
  • Fahrzeugmasse.


Die Bremsanschrift ist so angebracht, dass die Zusammengehörigkeit und Zuordnung eindeutig und unmissverständlich wiedergeben wird.


Bremsanschrift an einer Lokomotive der Baureihe 152

Bremsanschrift an einem Doppelstock-Reisezugsteuerwagen



Bezeichnung der Bremse  [1][2]

Die Bezeichnung der Bremse ist eine Aneinanderreihung von verschiedenen Einzelbezeichnungen und Piktogrammen, die sich aus Bremsbauart, vorhandene Bremsstellungen und zusätzliche Bremskomponenten bildet und damit Auskunft über die Bremsausrüstung des jeweiligen Fahrzeugs gibt.


Bezeichnung der Bremse einer Lokomotive der Baureihe 152

Bezeichnung der Bremse eines ICE-T (Baureihe 411)

Bezeichnung der Bremse eines S-Bahn-Triebzuges (Baureihe 423)


Die Bezeichnung der Bremse setzt sich dabei aus den nachfolgend aufgeführten Gruppen zusammen, deren Reihenfolge verbindlich ist:


  1.  Bremsbauart
  2.  Ergänzende Bezeichnungen
  3.  Bremsstellungen
  4.  Einrichtungen zur Bremskraftanpassung
  5.  Zusätzliche Bremsen
  6.  Hinweise zu Radbremsen
  7.  Sondereinrichtungen



Bremsbauart

Die Bremsbauart wird durch das im Fahrzeug verwendete Steuerventil einer indirekten Druckluftbremse bestimmt, dass nach dem Konstrukteur oder der Entwicklungsfirma benannt ist. Bei Bremsen mit elektronischer Steuerung wird nach der Firmenbezeichnung und einem Leerzeichen zusätzlich der Buchstabe "C" (für "Computersteuerung") ergänzt.


Die Angabe über die Bremsbauart erfolgt als Abkürzung mit einem Einzelbuchstaben oder als entsprechende Buchstabenkombination.


Einlösige selbsttätige Druckluftbremsen

K

Knorr-Bremse

W

Westinghouse-Bremse

M

Matrossow-Bremse


Mehrlösige selbsttätige Druckluftbremsen


Knorr-Bremse mit Einheitswirkung

nach den UIC-Bedingungen für Hochleitungsbremsen

KE

Knorr-Bremse mit Einheitswirkung

Hik

Hildebrand-Knorr-Bremse

Kk

Kunze-Knorr-Bremse

KZ

Knorr-Zweikammerbremse

Bd

Breda-Bremse

Bo

Bozik-Bremse

Ch

Chamilles-Bremse

DK

Dako-Bremse

Dr

Drolshammer-Bremse

O

Oerlikon-Bremse

WS

Westinghouse-Bremse

WA

Westinghouse-Autobremse

WE

Westinghouse-Bremse, Bauart E

WU

Westinghouse-Bremse, Bauart U

SW

SAB-WABCO-Bremse


Sonstige Druckluftbremsen

Kdi

Knorr-Bremse für direkte Bremswirkung am bedienten Triebfahrzeug und indirekte Bremswirkung an den angeschlossenen Fahrzeugen

KAdi

Knorr-Autobremse für direkte Bremswirkung am bedienten Fahrzeug und indirekte Bremswirkung an den angeschlossenen Fahrzeugen

WAdi

Westinghouse-Autobremse für direkte Bremswirkung am bedienten Fahrzeug
und indirekte Bremswirkung an den angeschlossenen Fahrzeugen


Bremsen mit elektronischer Steuerung

KB C

Knorr-Bremse mit Computersteuerung

MRP C

Mannesmann Rexroth Pneumatik-Bremse mit Computergesteuerung

FT C

Faiveley Transport Bremse mit Computersteuerung



Ergänzende Bezeichnungen

Ergänzende Bezeichnungen können ggf. erforderlich sein, wenn neue Bremsbauarten, wie z.B. "KB C" oder "MRP C", nicht den derzeitigen UIC-Bedingungen entsprechen.

Ob computergesteuert oder HL (UIC)-gesteuert gebremst wird/gebremst werden kann, ist allein von der Bremsausrüstung des führenden Fahrzeugs abhängig.


Ergänzende Bezeichnungen zu Bremsen mit elektrischer Steuerung

pn

Pneumtische Bremssteuerung als Rückfallebene


Zusätzlich zur Computersteuerung ist eine aktive über die Hauptluftleitung (HL) gesteuerte UIC-kompatible Bremskomponente als Rückfallebene vorhanden.

el

Direkt wirkende elektrische Bremssteuerung


Es ist eine direkt wirkende elektrische Bremssteuerung vorhanden, welche in eine zugübergreifende Schnellbremsschleife eingebunden ist.

pn und el

Pneumtische Bremssteuerung als Rückfallebene und direkt wirkende elektrische Bremssteuerung sind vorhanden und aktiv.

KE

oder Bezeichnungen anderer gleichwertiger Bremsen

Zusätzlich zur Computersteuerung ist eine aktive über die HL gesteuerte UIC-konforme Bremskomponente als Rückfallebene vorhanden. Dementsprechend darf eine UIC-konforme Bremse in der ergänzenden Bezeichnung nur genannt sein, wenn als Bremsbauart und Primärbremse eine andere (computergesteuerte) Bremse vorhanden ist.


Bremsstellungen

G

Güterzug

P

Personenzug

R

Schnellzug

GP

Güterzug, Personenzug

PR

Personenzug, Schnellzug

GPP2

Güterzug, Personenzug,

Personenzug P2

GPR

Güterzug, Personenzug, Schnellzug

GPP2R

Güterzug, Personenzug,

Personenzug P2, Schnellzug

GPR-Mg

Güterzug, Personenzug, Schnellzug,
Schnellzug mit Magnetschienenbremse

PR-Mg

Personenzug, Schnellzug, Schnellzug mit Magnetschienenbremse

R-Mg

Schnellzug, Schnellzug mit Magnetschienenbremse

P-Mg

Personenzug, Personenzug mit Magnetschienenbremse

R-WB

Schnellzug mit Wirbelstrombremse



Einrichtungen zur Bremskraftanpassung

A

Automatische Lastabbremsung



Zusätzliche Bremsen

E

Elektrische Bremse

(Dynamische Bremse)

H

Hydrodynamische Bremse

(Dynamische Bremse)

M

Motorbremse

(Dynamische Bremse)

Mg

Magnetschienenbremse

mZ

mit Zusatzbremse

WB

Wirbelstrombremse



Hinweise zu Radbremsen


für Scheibenbremse


für Verbundstoffbremsklotzsohlen mit hohem Reibwertniveau (Sohlentyp (K))


für Verbundstoffbremsklotzsohlen mit mittlerem Reibwertniveau (Sohlentyp (L))


für Verbundstoffbremsklotzsohlen mit niedrigem Reibwertniveau (Sohlentyp (LL))


Sondereinrichtungen


für elektropneumatische Bremse mit Bremssteuerung über das 13- bzw. 18-
adrige UIC-Kabel nach UIC 558 (DB-Standard)


für elektropneumatische Bremse mit vereinfachter Bremssteuerung nach
UIC 541-5 (Steuerleitung mit 4 Adern) oder mit anderer Steuerung


für elektropneumatische Bremse mit Bremssteuerung (Steuerleitung über 9 Adern) nach UIC 541-5 und 6


für die elektropneumatische Notbremsüberbrückung (NBÜ) mit Steuerung über 13-bzw. 18-adrige IS-Leitung nach UIC 558 (DB-Standard)


für andere Arten der NBÜ


Anmerkung: eine fahrzeugübergreifende NBÜ- Funktion (z.B. bei Doppel- oder Mehrfachtraktion)

ist nur bei Fahrzeugen mit identischer Bremssteuerfunktion möglich


für „NBÜ 2004“ nach UIC 541-6 mit Steuerung über 9-adrige Steuerleitung
(Dauerbefehl NBÜ auf Ader 1)


für NBÜ Funktion (ohne ep-Bremse) nach UIC 541-5 mit Steuerung über
9-adrige Steuerleitung


für „NBA“ (ohne ep-Bremse) nach UIC 541-6 mit Steuerung über 9-adrige Steuerleitung (Dauerbefehl NBÜ auf Ader A)


für ep-Bremse und NBÜ nach UIC 541-5 mit Steuerung über 9-adrige Steuerleitung


für ep-Bremse und NBA nach UIC 541-6 mit Steuerung über 9-adrige Steuerleitung (Dauerbefehl NBÜ auf Ader A)



Bremsgewichte  [1]

Das durch Versuche ermittelte Bremsgewicht ist am Fahrzeugkasten der Triebfahrzeuge und Wagen angeschrieben. Es gibt an, welches Bremsvermögen ein Fahrzeug in der jeweiligen Bremsstellung mit automatischer oder mechanischer Lastabbremsung erreicht. Die Angabe des Bremsgewichts erfolgt in Tonnen (t).


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Literaturquelle:
[1]  Arbeitsgruppe DB/EBA/VDV, Ergänzungsregelung Nr. B 001 zur „Anordnung und Ausführung von Bremsanschriften“, Rev. 13.1, 28.10.2013
[2]  Deine Bahn 12/2007, Bahn Fachverlag, Seite 27