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Reisendenübergang (RÜ)

  • Ermöglicht Fahrgästen in Bahnhöfen stufenfreien Zugang zu einem Bahnsteig
  • Sicherungsmaßnahmen erforderlich, da besondere Gefahrensituation für Reisende bei Überquerung der Gleise besteht



Allgemein  [1][2]

Ein Reisendenübergang, abgekürzt RÜ, ermöglicht Fahrgästen innerhalb von Bahnhöfen den höhengleichen, stufenfreien Zugang zu einem Bahnsteig. Sie dienen dabei der Erschließung von Mittel- bzw. Zwischenbahnsteigen, in Sonderfällen aber auch von Außenbahnsteigen. Bei der Nutzung von Reisendenübergängen überqueren Fahrgäste den höhengleich kreuzenden Fahrweg der Eisenbahnen, bei dem besondere Vorsicht gegeben ist.


Personenbahnhof einer Nebenbahn mit Reisendenübergang


Die DB AG regelt die Anlage von höhengleichen Übergängen sowie die Art der Reisendensicherung in ihren Konzernrichtlinien. So ist vorgeschrieben, dass

  • Reisendenübergänge nur bis zu einer durchschnittlichen Reisendenanzahl von 5000 pro Tag zulässig sind,
  • die Übergangsbreite mindestens 2,40 m beträgt und die Gesamtbreite auf maximal 5 m begrenzt ist
  • die Länge des zurückzulegenden Weges von Bahnsteigkante zu Bahnsteigkante 20 m nicht überschreiten darf und
  • eine Querung von mehr als zwei Hauptgleisen unzulässig ist.


Da NE-Bahnen vornehmlich eine andere Organisationsstruktur aufweisen, kann es bei diesen örtlich zu abweichenden Regelungen kommen.



RÜ kein Bahnübergang

Gemäß § 11 Abs. 1 EBO sind Reisendenübergange kein Übergänge im Sinne eines Bahnübergangs (BÜ) für Straßen- und andere Verkehrsteilnehmer.



Sicherung von Reisendenübergängen

Um Reisenden eine gefahrlose Überquerung der Gleise zum Betreten oder Verlassen des Bahnsteiges zu ermöglichen, sind Reisendenübergänge zu sichern.

Dabei bildet § 4 AEG die Grundlage für die Sicherungspflicht höhengleicher Reisendenübergänge an Bahnhöfen, welcher die allgemeinen Sicherheitspflichten von Eisenbahnen regelt. Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) nennt hingegen keine konkreten Sicherungsmaßnahmen, sie weist nur auf die Sorgfaltspflicht zur Sicherung der Reisenden an höhengleichen Übergängen hin. Die Sicherheitsmaßregeln von höhengleichen Übergängen obliegen den Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU) und sind in deren betrieblichen Vorschriften geregelt.



Sicherung durch örtliches Bahnpersonal (Sicherungsposten)

Zur Erfüllung der Sicherungspflicht regelt auf dem Netz der Deutschen Bahn zumeist das örtliche Personal der DB Netz AG den Zugang für Reisende zum Bahnsteig. Hierbei ist nach den Bestimmungen der örtlichen Richtlinien zu verfahren.


So muss sichergestellt sein, dass

  • die Reisenden vor der jeweiligen Zugeinfahrt informiert werden.


Dazu ist es notwendig, dass der zuständige Mitarbeiter den Reisendenübergang einsehen kann, um gefährdete Reisende ggf. ansprechen zu können. Diese Aufgabe kann auch vom Fahrpersonal übernommen werden.


Die Sicherung muss solange aufrechterhalten werden, wie

  • mit zu- bzw. abgehenden Reisenden zu rechnen ist.


Grundsätzlich dürfen höhengleiche Zugänge zu den Bahnsteigen nur dann offen gehalten werden, wenn

  • die Sicherung gemäß den o.g. Maßnahmen gewährleistet ist,
  • Absperrungen zwischen oder hinter den Gleisen vorhanden und die Absperrungen geschlossen sind oder
  • bis zu 15 Minuten vor der Ankunft planmäßig haltender Züge des Personenverkehrs.



Sicherung durch Umlaufsperre (ULS)

Umlaufsperren dürfen nur an Reisendenübergängen angewendet werden, wo durchschnittlich nicht mehr als 50 Reisende pro haltenden Zug ein- bzw. aussteigen.



Maßnahmen bei fehlender RÜ-Sicherung

Ist in Ausnahmefällen die Reisendensicherung nicht möglich, müssen einfahrende Züge am letzten rückgelegenen Hauptsignal halten. Der Fahrdienstleiter erteilt dann an den Triebfahrzeugführer (Tf) einen Befehl (Befehl 12 mit Grundnr. 12 "Reisendenübergang nicht gesichert"), der ihn anweist, den RÜ mit nur 5 km/h zu befahren. Darüber hinaus kann Befehl 12.2 erteilt werden, der den Tf auffordert, zusätzlich das akustische Achtungssignal Zp 1 zu geben. Hat der Zug die RÜ-Mitte erreicht, so ist der Reisendenübergang durch Beschleunigen des Fahrzeugs schnellsmöglich zu räumen.



Literaturquelle:
[1]  https://www.thueringen.de/imperia/md/content/bb/barrierefrei_internet_1.pdf

[2]  http://www.deutschebahn.com/de/geschaefte/infrastruktur/bahnhof/Barrierefreiheit_an_Personenbahnhoefen/Infrastrukturelle_Barrierefreiheit.html

[3]  § 11 Abs. 1 EBO